Humanistische Ansätze

Humanistische Ansätuze betonen das eigene Potential jedes Menschen. Entstanden in Abgrenzung und als Erweiterung der traditionellen Psychoanalyse/Tiefenpsychologie sowie der Verhaltenstherapie. Umfasst ein breites Spektrum unterschiedlichster Methoden. Grundannahme: Der Mensch ist gut, und hat alle Fähigkeiten die er braucht um gesund zu werden. Die ganze Person befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess der Veränderung und des Werdens.

Gestalttherapie (Perls)
Hier und Jetzt der Gefühle hat Gestalt im Körper
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie (Rogers)
Strebt nach Selbstverwirklichung; 3 Grundprinzipien: Empathie, positive Wertschätzung, Echtheit
Logotherapie (Frankl)
Sinnfindung, Orientierung, Verantwortung
Psychodrama (Moreno)
Rollenspiel
Hypnotherapie nach Milton Erickson
Wichtigstes Prinzip: Utilisationsprinzip (Alles ist willkommen, alles wird kreativ genutzt. Das Symptom enthält die Lösung.)
Bioenergetik (Bioenergetische Analyse,Lowen)
Teilweise auch zu Tiefenpsychologischen Ansätzen gestellt, oder zu den Körperorientierten Verfahren. Verbindung von Freud'scher Analyse und Erkenntnissen von Wilhelm Reich (Charakterpanzer). Arbeit mit dem Körper.

Die Humanistische Psychotherapie ist eng verbunden mit den Namen Carl Rogers (Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie), Fritz Perls (Gestalttherapie), Milton Erickson (Hypnotherapie), Viktor Frankl (Logotherapie), Moreno (Psychodrama) u.a.

 

Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie

Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie
Begründer: Carl R. Rogers
"Erkenne deine Gefühle, drücke sie aus und akzeptiere dich selbst."

Ziel der Klientenzentrierten Psychotherapie ist die Unterstützung des Klienten bei der Entdeckung seiner Individualität. Förderung des gesunden psychischen Wachstums. Rogers war der Ansicht, dass bei psychischen Leiden das natürliche Streben des Menschen zur Selbstheilung gestört ist. Es gilt daher dieses zu reaktivieren. Die TherapeutIn ist unterstützende ZuhörerIn. Sie spiegelt und wiederholt das von der KlientIn Gesagte in eigenen Worten und fasst die oft unausgesprochenen Gefühle in Worte (Verbalisierung). Hierdurch wird die KlientIn angeregt, eigene Lösungen zu finden. Die TherapeutIn gibt keine Antworten! Keine Bewertungen! Keine Anweisungen und Ratschläge!
Nicht nur als Therapie, sondern auch zur Lösung von verschiedensten Themen und Konflikten hervorragend geeignet (Gesprächsberatung). Es ist Immer wieder erstaunlich, auf wie einfache Weise die Ratsuchende Lösungen findet.

Zentraler Begriff: Selbstverwirklichung

Rogers stellte 3 wichtige Grundprinzipien für die TherapeutIn auf:

  • Uneingeschränkte positive Wertschätzung gegenüber der KlientIn
  • Echtheit der TherapeutIn in ihren Äußerungen und im Verhalten (Kongruenz)
  • Empathie (Einfühlungsvermögen)

Rogers gilt als einer der wesentlichen Begründer der Humanistischen Psychotherapie.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie.

Focusing

(Eugene Gendlin)
Focusing wurde in den 60 er Jahren von Eugene Gendlin, einem langjährigen Freund und Mitarbeiter Carl Rogers' entwickelt. Im therapeutischen Prozess lernt die KlientIn eine Art Innenschau, bei der es darum geht, sich der Gefühle bewusst zu werden, und wo genau sie sich im Körper äußern. Alle Gefühle werden begrüßt und ohne Urteil angenommen. Im Verweilen und teilweise inneren Dialog mit den Körpergefühlen können sich diese verändern und haben oft ihrerseits etwas wichtiges für die KlientIn mitzuteilen. Viele Gefühle warten nur darauf, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Sobald die KlientIn beginnt, die rigorose Ablehnung bestimmter Gefühlsqualitäten zu beenden und sich ihnen mit offener Anteilnahme zuzuwenden, können sie sich mitunter auf dramatische Weise verändern und ihr den Zugang zu neuem Verstehen und teilweise ganz neuen Dimensionen der Heilung und des Ganzseins eröffnen.
Aber es geht dabei gar nicht unbedingt primär um Veränderung der Gefühle – was das Erste und Wichtigste ist, ist, dass sie nicht mehr abgelehnt werden, sondern ihren Raum bekommen und angenommen werden!

Weitere Informationen zum Focusing finden Sie auf Inhypnos.

Logotherapie

Begründer: Viktor Frankl

In der Logotherapie geht es in erster Linie um Sinnfindung, Orientierung und Verantwortung. Seelische Konflikte werden als Mangel an Verständnis des Lebenssinns, wie auch dem Sinn des Leidens aufgefasst. Die KlientIn soll in ihrem Prozess der Sinnfindung und der Bewältigung von Leid unterstützt werden. Die Logotherapie ist eine Gesprächstherapie, die im Gegensatz zum Klientenzentrierten Ansatz (Rogers) beratend/überzeugend und direktiv arbeitet.

 

Hypnotherapie

nach Milton Erickson

Hypnose ist ein tief entspannter Zustand, der mit Einengung des Alltagsbewusstseins und Erhöhung der Konzentration einhergeht. Dabei ist eine positive Wechselbeziehung, der Rapport, zwischen Therapeut und Klient äußerst wichtig. Man bezeichnet diesen hypnotischen Zustand als Trance. Er kann ganz unterschiedlich tief sein, wobei die Tiefe der Trance nicht entscheidend für den Erfolg und die Qualität der Arbeit ist. In der Trance ist das Unterbewusstsein besonders empfänglich für positive Gedanken und Suggestionen des Therapeuten. In diesem Zustand können Dinge wieder erinnert werden, die vergessen wurden, alte Muster und Verhaltensweisen aufgedeckt und erlöst werden, positive Alternativen kreiert werden und vieles mehr. Trancearbeit kann eine große Hilfe sein, seine Potentiale und inneren Kraftquellen zu erkennen und zu erwecken. Bei der Hypnotherapie werden mit Hilfe des Unterbewusstseins positive und kreative Lösungen gesucht und gefunden, die in der für den Klienten jeweils angemessenen Zeit in sein Bewusstsein und sein Leben integriert werden.
Als Begründer der modernen Hypnotherapie ist der amerikanische Arzt und Psychotherapeut Milton Erickson allgemein anerkannt. Für ihn gab es keinen Menschen, der sich nicht „hypnotisieren“ ließ (nicht in der Lage wäre, in Trance zu gehen). Selbst größte Skeptiker wusste er zu leiten und in Trance zu führen. Dies gelang ihm nicht zuletzt durch seine bedingungslose positive Annahme jedes Klienten.
Ein guter Hypnotherapeut arbeitet nie „überlagernd“, sondern kreativ ursächlich. Die Erickson'sche Hypnose arbeitet viel mit Bildern, Metaphern und Geschichten und findet heute vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.

Mehr Informationen zur Hypnotherapie finden Sie auf Inhypnos.

 

Gestalttherapie

Begründer: Fritz Perls

Konzentriert sich darauf, Psyche und Körper zu vereinen. Förderung der Selbstaufmerksamkeit, Hier und Jetzt. Arbeitet mit zahlreichen Methoden, die nur schwer in wenigen Worten wiederzugeben sind. Gefühle sollen in der Gruppe ausgedrückt werden. Weit bekannt ist "Perls Stuhl" (der leere Stuhl), auf den die KlientIn eine Person aus ihrer Vergangenheit oder Gegenwart projizieren kann (Eltern, Arbeitgeber, Mitarbeiter, Familienmitglieder) um auf geschützte Weise an den Themen mit dieser Person zu arbeiten. Dabei kann ein Dialog mit dieser Person stattfinden, wobei die KlientIn sich jeweils in die betroffene Person hineinversetzt und ausspricht, was diese ihrer Meinung nach sagen würde.
In der Gestalttherapie ist Raum um Fantasien auszuagieren. „Unerledigte Situationen“ werden zum Abschluss gebracht (sonst wiederholen sie sich).
Die Gestalttherapie ist sehr weit verbreitet und wird von vielen TherapeutInnen und BeraterInnen angewendet.

 

Transaktionsanalyse

Begründer: Eric Berne

Bei der Transaktionsanalyse geht es um Botschaften in zwischenmenschlichen Beziehungen (Transaktionen). In Anlehnung an die Tiefenpsychologie Sigmund Freuds unterscheidet Berne das Kind-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich, unter deren unterschiedlichem Einfluss ein Mensch erlebt und reagiert. Das Ziel ist die Stärkung des Erwachsenen-Ich um auf eine erwachsene reife Weise agieren und reagieren zu können. Mit dem Begriff Transaktion kann jeder Austausch, jede Kommunikation zwischen Menschen beschrieben werden. Berne nennt die sich immer wieder nach den gleichen alten Mustern vollziehenden (nicht der jeweiligen Situation angemessenen) Transaktionen "Spiele". Bekannte Klassiker sind die Bücher "Spiele der Erwachsenen" von Berne und "Ich bin o.k. Du bist o.k." von Harris.

 

Psychodrama

Begründer: Jacob Levi Moreno

Jakob L. Moreno entwickelte eine Psychotherapie, in der er die KlientInnen therapeutische Rollenspiele entwickeln und vorführen lässt. In Form einer Gruppentherapie werden erlebte Situationen nachgespielt und Gefühle mit Stimme und Körper möglichst deutlich ausgedrückt. So können im Spiel unbewusste Wünsche und verdrängte Erlebnisse wieder entstehen und leichter bearbeitet werden. Auf intensive Weise werden dabei Gefühle freigesetzt.

 

Systemische Ansätze

In den systemischen Ansätzen wird der Mensch als Teil eines ganzen Systems bzw. verschiedener Systeme (Familie, Arbeitsplatz etc.) gesehen, durch das er geprägt und beeinflusst wird. Der Mensch wird nicht mehr isoliert mit Problemen behaftet verstanden, sondern als Teil von Systemen. Systemische Interaktionen werden als bedeutsame Faktoren für Psychopathologie und Gesundheit erachtet.

Systemische Ansätze sind besonders in der Systemtheorie und im Konstruktivismus begründet ebenso wie in Familientherapeutischen Ansätzen. Sie haben keinen eindeutigen Begründer sondern wurden durch verschiedene Personen und Strömungen beeinflusst. Bekannte Namen in Verbindung mit systemischen Ansätzen sind zum Beispiel Greogry Bateson, Jay Haley, die "Mailänder Gruppe" um Paul Watzlawick, Mara Salvini Palazzoli u. a. Im Bereich der Familientherapie ist besonders auch Virginia Satir zu nennen. Aus der "Heidelberger Schule" allen voran Helm Stirlin sowie Gunther Schmidt, Gunthard Weber und andere.