Verhaltenstherapeutische Ansätze

Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass alles Verhalten und damit auch alle psychischen Probleme des Menschen anerzogen, konditioniert ist. Die Verhaltenstherapie setzt daher direkt am Verhalten an, ist bestrebt, das Verhalten des Menschen und sein Denken zu verändern.

a. Lerntheoretische Ansätze
Neues Verhalten wird eingeübt und durch Reize konditioniert. Inneres Erleben etc. ist uninteressant, es interessiert nur das von außen sicht- und messbare (besonders bei der Klassischen Konditionierung.) Der Mensch wird als „Black Box“ angesehen. D.h. es interessiert nicht, was im Innern des Menschen vor sich geht, sondern nur das von außen beobachtbare und wissenschaftlich belegbare Verhalten!

Folgende Begriffe und Methoden sind mit den lerntheoretischen Ansätzen der Verhaltenstherapie eng verbunden:

Klassische Konditionierung (Pawlow)
Reiz löst „muss“ - Reaktion aus (Speichelfluss des Pawlowschen Hundes)
Behaviorismus (Watson)
Alles ist anerzogen, alles konditioniert
Operante Konditionierung (Skinner)
Durch Verstärker oder Diskriminierung wird erwünschte „kann“ – Reaktion erzeugt (Dressur); Verhaltensänderung durch die Folgen des Verhaltens. Sind die Folgen angenehm, wird das Verhalten beibehalten (Kind: Hilfesuchen wird erfüllt, Selbständigkeit kritisiert -> Hilflosigkeit wird operant verstärkt!).
Fazit: Der Mensch erfährt positive und negative Konsequenzen seiner Handlungen und lernt daraus.
Systematische Desensibilisierung (Wolpe)
Flooding (Reizüberflutung, Implosion)
Lernen am Modell (Bandura)
Lernen durch Nachahmung, Imitation, kopiertes Verhalten

b. Kognitive Ansätze (als Weiterentwicklung der Lerntherorien)
Wollen die Art und Weise verändern, in der der Mensch über sich denkt. Es geht um Erkenntnis und Verstehen (Denkmuster, Glaubenssätze, beobachten, überprüfen, bewerten, Alternativen). Keine „Black Box“, sondern Exploration des „Inneren“

Kognitive Therapie (Beck)
Beobachtet, identifiziert, überprüft, sucht Alternativen
RET, Rational-emotive-Therapie (Ellis)
Ebenfalls eine kognitive Therapie: Konfrontation mit Glaubenssätzen (Über-Ich)

 

Konfrontationstherapien

(Expositionstherapien)

Klassische (und teilweise operante Konditionierung)
Löschung von klassisch konditionierten Reizen = wiederholte Darbietung des neutralen Reizes.
Exposition bei Reaktionsverhinderung (Flucht oder Zwang); direktes Konfrontieren mit der schrecklichen Situation, dem Objekt in normalem Alltag. Die KlientIn lernt, dass nichts Schlimmes passiert = Dekonditionierung

Systematische Desensibilisierung (Wolpe) bei Phobien
Langsames Heranführen an angstauslösendes Objekt in Entspannung

Flooding bei Phobien und Zwängen
Reizüberflutung. Z.B. 'rauf auf den Turm bei Höhenangst und so lange oben bleiben bis die KlientIn gelernt hat, dass nichts passiert.

Außerdem:

Gegenkonditionierung (Watson, Jones)

Lernen am Modell (Bandura)
Lernen durch Beobachtung und Nachahmung

Token economy
Arbeiten mit Belohnung für erwünschtes Verhalten.

 

Lerntheoretische Ansätze

Kognitive Therapie nach Beck
Grundannahme: Wir sind das, was wir uns selbst über uns sagen und denken.
Falsche Selbstüberzeugungen werden bewusst gemacht, durchdacht, analysiert überprüft und alternatives Verhalten gesucht und eingeübt.
Die kognitive Therapie hilft dem Klienten, seine Probleme realistischer und flexibler zu beurteilen und zu handhaben und dadurch seine Symptome zu reduzieren. Gedanken, die für Gefühle verantwortlich sind, werden analysiert und dann gezielt verändert.
Beispiel: Depression durch automatische, oft unbewusste negative Gedanken.

Rational emotive Therapie - RET (Ellis)
Gleicher Ansatz wie Beck.
System der Persönlichkeitsveränderung durch Veränderung irrationaler Überzeugungen, die unerwünschte Überzeugungen, höchst belastende emotionale Reaktionen wie schwere Angst verursachen. Die RET hält das Denken für den wichtigsten Faktor dafür, wie der Mensch sich fühlt. Störungen im Gefühlsbereich entstehen durch irrationales Denken. Emotionale Reaktion die auf ein Ereignis folgt, wird durch unerkannte falsche Überzeugungen verursacht. Der Klient wird mit seinen Glaubenssätzen konfrontiert. Lernt sein „Sollte“ und „Müsste“ zu erkennen, die ihn daran hindern so zu leben, wie er eigentlich will.
A – B – C der Gefühle => A = Reiz, B = bewertende Gedanken, C = daraus entstehende Gefühle.

Training sozialer Kompetenz/ Selbstsicherheitstraining
Meist in Gruppen. Verhalten ist eine Kombination von Denken, Fühlen und eingeübten Verhaltensweisen. Es findet eine kognitive Analyse von Denken, Fühlen und Verhaltensmustern statt; Einübung von geändertem Verhalten.