Ansätze und Methoden der Psychotherapie

Im Wesentlichen kann man vier grundsätzliche Therapierichtungen bzw. Ansätze in der Psychotherapie unterscheiden. Alle therapeutischen Methoden lassen sich mehr oder weniger auf diese Ansätze zurückführen. Die Konzepte gehen hier teilweise ein wenig durcheinander.

1. Tiefenpsychologische Ansätze (Psychodynamisch)
2. Verhaltenstherapeutische Ansätze
3. Humanistische Ansätze
4. Systemische Therapien

außerdem werden oft unterschieden

5. Körperorientierte Ansätze (Progressive Muskelrelaxation (Jakobson), Konzentrative Bewegungstherapie etc.)
6. Andere Therapieformen (z.B. autogenes Training sowie verschiedene Integrative Ansätze)

 

Psychodynamische Ansätze

Gehen zurück auf Sigmund Freud. Arbeitet Aufdeckend und ist stark vergangenheitsbezogen. Im ursprünglichen Menschenbild der Tiefenpsychologie ist der Mensch das Opfer seiner Triebe. Die Leiden des Erwachsenen werden als äußeres Symptom innerer ungelöster Traumata und Konflikte aus der Kindheit angesehen.

Zu den tiefenpsychologischen Ansätzen rechnet man die

 

Psychoanalyse

Begründer: Sigmund Freud

Versucht lange verdrängte Erinnerungen hervorzuholen und schmerzliche Gefühle für eine wirksame Lösung durchzuarbeiten.
Hauptziel: Unbewusstes soll bewusst gemacht und dadurch erlöst werden! = aufdeckendes Arbeiten. Die KlientIn liegt auf einer Liege, die TherapeutIn steht oder sitzt dahinter, für die KlientIn unsichtbar. Mehrere Sitzungen pro Woche, einige Jahre lang.
Wichtigste Elemente der Psychoanalyse:

  • Freie Assoziation
    KlientIn lässt die Gedanken frei schweifen und erzählt, welche Gedanken, Wünsche, Gefühle, Bilder etc. auftreten
  • Widerstand
    Widerstände werden als Schranken zwischen dem Bewussten und Unbewussten angesehen. Sie zeigen wichtiges Material an; daher ist es Ziel, die Wiederstände zu erkennen, zu bearbeiten und zu überwinden.
  • Traumdeutung
    Träume gelten als wichtige Quelle für Informationen aus dem Unterbewussten.
  • Übertragung – Gegenübertragung
    Die KlientIn bringt der TherapeutIn Gefühle entgegen, die aus alten, verdrängten Konflikten stammen. Es findet eine Verwechslung der TherapeutIn mit früheren Personen (z.B. Eltern) statt.
    Gegenübertragung nennt man die (unerwünschte) Reaktion der TherapeutIn in Form einer eigenen Übertragung.
  • Abstinenzregel
    Die TherapeutIn darf außerhalb der Therapie keinen Kontakt zur KlientIn pflegen und ihre eigenen Beziehungskonflikte nicht thematisieren.

    Weitere Grundbegriffe der Psychoanalyse siehe hier.

 

Individualpsychologie

Begründer: Alfred Adler

Ziel: Gemeinschaftsfähigkeit
Die Individualpsychologie betrachtet den Menschen als Ganzen und unterteilt die Psyche nicht in verschiedene Schichten und Triebe. Sie lässt in starkem Maße pädagogische Elemente einfließen. Nach Adler hat jedes Individuum einen bestimmten Lebensstil und einen bestimmten Lebensplan nach dem es handelt. Der Lebensplan soll bis ca. zum 4. Lebensjahr entwickelt sein. Nach Adler erkennt man ein psychisches Fehlverhalten daran, dass sich der Patient aus der Gemeinschaft ausgliedert (Machtmensch z.B.), anstatt sich, in die Gemeinschaft einzubringen. Im Gegensatz zu Freud betrachtet Adler die Entstehung von Störungen in der Abwehr gegen die Anforderungen und Erwartungen der Umwelt! Es besteht ein Spannungsfeld zwischen ungenügender eigener Akzeptanz und gesellschaftlichen Forderungen. Ein Kind fühlt sich von Beginn an ausgeliefert und ohnmächtig (Minderwertigkeitsgefühl) und strebt zur Kompensation nach eigener Macht. Adler ist die Stellung des Menschen in der Familie ist wichtig! Das Erleben der Minderwertigkeit wird später zur wichtigen Triebfeder für für den Einsatz des Menschen in Kultur, Politik und gesellschaftlichem Leben. Minderwertigkeitsgefühle sollen durch Betrachten, Analysieren und einen kreativen Konflikt mit Therapeuten (Übertragung) überwunden werden.

 

Analytische Psychoanalyse

Begründer: Carl Gustav Jung

Sieht die Persönlichkeit als Konstellation widerstreitender Kräfte in dynamischer Balance.
Zum Beispiel Einklang/Konflikt männlicher Aggressivität und weiblicher Sensibilität. Jung erweitert das Unbewusste um den Begriff des Kollektiven Unbewussten. Er nimmt verschiedene Archetypen der Seele (ererbte Urbilder im Unbewussten) an.

Besonders bekannt sind Animus und Anima:

  • Animus = männlicher Archetyp, aus der Erfahrung der Frauen
  • Anima = weiblicher Archetyp aus der Erfahrung der Männer

Das Unterbewusstsein trägt jeweils eher die gegengeschlechtlichen Züge. Typische Archetypen aus Vorgeschichte und Mythologie sind zum Beispiel: der Sonnengott, der Helfer, der Schatten (andere Seite des Ich), Vater- und Mutterarchetypus, das Selbst. Die Archetypen treten in allen Kulturen auf und lassen sich durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch verfolgen.
Die analytische Psychotherapie Jungs arbeitet viel mit Märchen, Mythen und Träumen sowie mit dem Assoziieren und kreativem Gestalten. Anders als bei der klassischen Psychoanalyse sitzen sich TherapeutIn und KlientIn gegenüber und arbeiten in angenehmer Atmosphäre, in freundschaftlicher Offenheit miteinander.

 

Vegetotherapie

Begründer: Wilhelm Reich

Reich modifiziert die klassische Psychoanalyse nach Freud in Richtung einer Widerstandsanalyse. In seinem späteren Schaffen bezog er den Körper mit in die Psychotherapie ein und entwickelte Konzepte über allgemeine Gesetze des Lebendigen, sowie der Funktion des vegetativen Nervensystems im speziellen (Vegetotherapie).
Reich formulierte den Begriff des Charakterpanzers: Danach manifestieren sich Charakterstörungen und Neurosen in chronischen muskulären Verspannungen, mit Veränderungen der Atmung, Körperhaltung und Gestik. Mit Hilfe eines Charakterpanzers werden traumatische Erlebnisse verdrängt und somatisiert. (sieh auch: Lowen, Bioenergetik).
Technik: mehr oder weniger entkleidet, tiefes Atmen, Muskeldruck, Massage. Durch die Arbeit mit dem Körper sollen die Verspannungen aufgehoben und damit auch Veränderungen in den Charakterstörungen ereicht werden.

 

Bioenergetik

Begründer: Alexander Lowen

Lowen entwickelte in Weiterführung der Reichschen Charakteranalyse und der Vegetotherapie sowie der Psychoanalyse Freuds die Bioenergetik. Seelische Störungen werden als Energiestaus angesehen, die mit verschiedenen Techniken und körperlichen Übungen aufgelöst werden. Die KlientIn lernt, mit eigenen Gefühlen und Erfahrungen in Kontakt zu kommen, Verhaltensweisen zu verändern und alte Verletzungen und Konflikte zu bewältigen bzw. zu erlösen.

 

Primärtherapie

Tiefenpsychologisch fundierte, körper-, erlebnis- und aktionsorientierte Methode. Begründer: Janov, Ende der 60 er Jahre. Gilt als eines der wesentlichen Heilverfahren für Neurosen. Verdrängte frühkindliche „primäre Gefühle“ sollen wiedererlebt werden. Besonders Geburtstrauma. Kathartische Reaktionen werden angestrebt.